Märchen und Sagen

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Zora
07.10.2004

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In vielen Sagen und Märchen begegnet man Verhaltensratschlägen. Nur vermisst man oft den Hinweis darauf, in welchen Gebieten dieser Erde sich das Erzählte zugetragen haben soll. Vielleicht liegt daher die Vermutung nah, dass es sich ebenso gut um Verhaltensmassregeln für das Jenseits handeln kann, ähnlich den im Zusammenhang mit dem ägyptischen und tibetischen Totenbuch vorgestellten Überlebensmassgaben für die entkörperte Seele.

Als Beispiel sei eine Geschichte aus „1001 Nacht“ erwähnt, in der ein junger Mann einen Berg erklimmt, um den Schatz auf dem Gipfel in seinen Besitz zu bringen. Er darf sich von den Stimmen auf dem Weg, die ihn erschrecken und zum „Umdrehen“ und Umkehren veranlassen wollen, nicht entmutigen lassen, da er sonst zu Stein erstarrt, wie viele andere vor ihm, deren Statuen er auf dem Wege sehen kann.

Vergleichbar ist die Geschichte über Lots Flucht von Sodom & Gomorrha in der christlichen Bibel und in der jüdischen Thora, dort erstarrt Lots Frau zur Salzsäule, weil sie umkehren will bzw. sich nur umdreht.

Unter den genannten Gesichtspunkten betrachtet, kann man in sehr vielen Geschichten Hinweise auf empfehlenswertes "Verhalten" im Jenseits finden, obwohl ja Sagen oder Märchen traditionell eigentlich für Kinder gedacht sind. Aber gerade dem kindlichen Bewusstsein prägen sich Zusammenhänge des Gehörten viel stärker ein, als das bei Erwachsenen der Fall ist.

Kinder begegnen der Welt ohnehin noch mit deutlich mehr Offenheit und Aufmerksamkeit als Erwachsene. Daher ist auch nachvollziehbar, warum alte Menschen sich oft besser an ihre Erlebnisse aus der Kindheit zu erinnern vermögen, als an das gewöhnliche Alltagsgeschehen der nahen Vergangenheit. Aber gerade alten Menschen, die zeitlich näher an der Schwelle zum Jenseits stehen, nützen die Verhaltensregeln und Warnungen für die Phase nach der Überschreitung der Schwelle naturgemäß mehr, als sie Menschen nützen würden, die (noch) mitten im Leben stehen.

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